Heinz-J. PluggeICBE in Zahlen

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte Ihnen im ersten Teil meines kleinen Vortrags ein wenig über unsere Bemühungen erzählen, einen möglichst umfassenden überblick über die Benediktiner- und Zisterzienserschulen in der ganzen Welt zu gewinnen. Im zweiten Teil möchte ich Ihnen kurz einige Zahlen und Daten präsentieren, wie sie sich aus der Datenbank extrahieren lassen.

Die Datenbank der Benediktiner- und Zisterzienserschulen ist vor etwa 15 Jahren entstanden. Ziel war, die Adressen und einige weitere relevante Schuldaten von Benediktiner- und Zisterzienserschulen im deutschsprachigen Raum (einschließlich Ungarn) zu sammeln und für organisatorische Belange zur Verfügung zu stellen. Diese wurden für die Schul-Treffen z.B. in Pannonhalma, Györ und Admont benötigt.

Anlässlich der ersten ICBE-Tagung 1999 in Worth Abbey wurde diese Datensammlung wesentlich erweitert und aktualisiert, dort fiel auch die Entscheidung, diese Daten nicht mehr auf Papier vorzuhalten, sondern auf elektronischem Wege zu speichern und im Internet zu publizieren. Die Aufgabe des Sammelns der Daten ist dabei Fr. Aidan Murray von Worth Abbey zugewachsen, wobei es sich im Lauf der Zeit eingespielt hat, dass Aktualisierungswünsche sowohl an ihn als auch an mich gerichtet werden. Die Datenbank selbst wird jedoch von Fr. Aidan gepflegt.

Auf der Konferenz in Worth fiel auch die Entscheidung, dass der Server www.osb.org als eine zentrale Informationsstelle für den benediktinischen Orden die richtige Stelle wäre, um die Vielfalt benediktinischer Schulen in der ganzen Welt darzustellen. Dieser Webserver wird von Br. Richard Oliver in St. John's Abbey betrieben, so dass jetzt in die Pflege und Publikation der Schuldaten drei Abteien und drei Personen involviert sind.

Diese Konstruktion scheint auch wegen der großen Entfernungen komplex zu sein, durch die Kommunikationsmöglichkeiten, die das Internet bietet, hat sich diese Zusammenarbeit aber als völlig unkompliziert herausgestellt.

Problematisch erscheint allein die Qualität der erhobenen Daten: Leider hat sich nach der Konferenz von Worth herausgestellt, dass doch häufig gerade für die Kommunikation untereinander wichtige Informationen wie die Email-Adressen von Schulen fehlerhaft waren. Viele Schuldaten waren von vornherein unvollständig, vor allem in solchen Fällen, in denen kein Delegierter der Schule in Worth anwesend war. Zum Teil sind die Daten heute nach über drei Jahren veraltet. Ich mache darauf schon an dieser Stelle aufmerksam, damit sie die Qualität der gleich präsentierten Zahlen richtig einschätzen können: Weltweit werden diese Zahlen sicher die Situation benediktinischer Schulen hinreichend genau widerspiegeln, jedoch muss man Aussagen, die gleich auf Kontinente bezogen werden, auf denen es nur wenige benediktinische Schulen gibt, hinsichtlich ihrer Relevanz relativieren. Daher an dieser Stelle mein ganz dringender Wunsch: Bitte versuchen Sie im Verlauf dieser Konferenz, auch ihren Beitrag zur Aktualität der Datenbank zu leisten, indem sie die Einträge sowohl ihrer Schulen als auch solcher Schulen, die sie kennen und die hier nicht von einem Delegierten vertreten sind, überprüfen und verbessern. Dazu liegt eine gedruckte Version der vorhandenen Daten aus sowie eine ausreichende Zahl von Leerformularen. Tun sie sich keinen Zwang an und korrigieren sie die Daten einfach in der gedruckten Version. Nach der Konferenz werden wir die geänderten Daten in die Datenbank einarbeiten; vielleicht führt das sogar dazu, dass nach der Konferenz einige der im folgenden präsentierten Zahlen und Diagramme doch anders aussehen werden.

Es gibt auf der ganzen Welt etwa 160 Schulen, die von Benediktinern oder Zisterziensern betrieben werden. Insgesamt werden dort von ungefähr 7000 Lehrern circa 115 000 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Von den 7000 Lehrern sind etwa ein Zehntel klösterliche Lehrkräfte.

Zahlenmäßig wird der weitaus größte Teil der Schulen immer noch in Europa sowie in Nordamerika betrieben.

Distribution of Schools by Continent

In Europa gibt es ein alte Tradition, Benediktinerschulen als Internatsschulen zu betreiben. Zumindest für Deutschland kann ich sagen, dass es in den letzen zwei Jahrzehnten einen deutlichen Trend unter den Eltern gegeben hat, ihr Kind nicht auf eine Internatsschule, sondern eine Tagesschule zu geben. In der Folge sind viele Internatsschulen zumindest auch für Tagesschüler geöffnet, wenn nicht sogar in Tagesschulen umgewandelt worden. Nennenswerte Anteile von Internatsschulen gibt es heute nur noch in Europa und Nordamerika. In engem Zusammenhang damit muss auch die Frage der Koeduaktion gesehen werden. Eine reine Internatsschule wird in der Regel auch als nicht koedukative Schule geführt.

Day School or Boarding School

Vor allem in Nordamerika und in Australien überwiegt noch die Typ der nicht koedukativen Schule, in den anderen Kontinenten sind koedukative Schulen in der überzahl.

Coeducation

Die Frage, ob hauptsächlich Jungen oder Mädchen in den Ordensschulen unterrichtet werden, hat sicher wesentlich mit der Ordensgeschichte auf den einzelnen Kontinenten zu tun: In Europa, Nordamerika und Asien ist das Verhältnis annähernd ausgegeglichen, während in Australien fast ausschließlich Mädchen unterrichtet werden, dagegen in Südamerika überwiegend Jungen.

Percentages of female and male Pupils

Obwohl die meisten Schulen in Europa und Nordamerika betrieben werden, ändert sich das Bild, wenn man die Zahl der unterrichteten Schüler zugrundelegt. Jetzt sieht man, dass insbesondere durch die großen Schuleinheiten auf den Philippinen der größte Teil der in Benediktiner- und Zisterzienserschulen unterrichteten Schüler in Asien zuhause ist. Europa spielt in dieser Hinsicht keine untergeordnete, aber doch zweitrangige Rolle.

Number of Pupils per Continent

Bei der Zahl der unterrichtenden Lehrerinnen und Lehrer ist trotz der geringeren Schülerzahl Europa wieder führend. Zu beachten ist außerdem, dass trotz sehr unterschiedlicher Schülerzahl die Zahl der Lehrenden in Nordamerika und Asien etwa gleich groß zu sein scheint. Allerdings muss man hier sehen, dass die Angaben in der Datenbank relativ unvollständig sind. In Wirklichkeit wird die Zahl der Lehrer in Südamerika und in Asien deutlich höher sein. Was in der Datenbank sicher auch nur unzureichend berücksichtigt ist, ist die Tatsache, dass in verschiedenen Ländern der Anteil der Vollbeschäftigten unter den Lehrenden unterschiedlich hoch ist. Interessant ist es, einmal die Zahl der Schüler in Relation zur Zahl der Schulen sowie zur Zahl der Lehrer zu sehen:

Number of Teachers per Continent

Hier wird deutlich, wie unterschiedlich die Schulsysteme in Europa und Nordamerika besonders im Vergleich zu denen in Asien, aber auch in Südamerika sind. In Europa herrschen kleine Einheiten mit einer durchschnittlichen Schülerzahl etwa um 500 Schüler vor, während die Schulkomplexe vor allem in Asien deutlich größer sind. Ein Grund dafür liegt sicher im unterschiedlichen Spezialisierungsgrad der Schulen: Während eine Reihe von Schulen in Europa nur wenige Altersstufen umfassen, z.B. von 6 - 10 Jahren als typische Primarschule oder von 11-18 Jahren als Sekundarschule, um einmal die deutschen Bezeichnungen zu gebrauchen, umfassen die Schulsystem z.B. auf den Philippinen unseren Angaben zufolge in der Regel alle Altersstufen von 4 bis über 20 Jahren.

Average Number of Pupils per School

Diese Graphik ist provozierend, aber sie ist so, wie sie sich direkt aus der Datenbank ergibt, Gott sei Dank falsch. Der Grund ist darin zu suchen, dass von einer Reihe philippinischer und auch südamerikanischer Schulen zwar Informationen über die Schülerzahl, nicht aber über die Zahl an Lehrern vorliegen. Auf diese Weise kommt ein deutlich zu hoher Quotient zustande. Wagt man es, die Zahlen aufgrund der Schulen, von denen beide Angaben vorliegen, zu extrapolieren, so kommt man sowohl bei Südamerika als auch bei Asien auf eine Relation von etwa 15 - 20 Schülern pro Lehrer. Das ist immer noch signifikant mehr als in Europa und Nordamerika, wo auf einen Lehrer etwa 10 - 15 Schüler kommen.

Average Number of Pupils per Teacher

Zum Abschluss möchte ich mich noch einmal bei meinen Mitstreitern Fr. Aidan und Br. Richard für ihre Mitarbeit bedanken. Sie können es zwar nicht hören, aber vielleicht erzählt ihnen doch jemand davon. Ich möchte auch noch einmal den Appell an sie alle wiederholen, für die Aktualität der Datenbank zu sorgen. Ich danke für ihre Aufmerksamkeit.

Heinz.-J. Plugge